Arbeiten Sie im Tourismus? Besitzen Sie ein oder gar mehrere Hotels? Dann ist dieser Artikel genau das Richtige für Sie: Denn das Gastgewerbe kann Virtual Reality perfekt für sich nutzen – auf ganz unterschiedliche Weise.

Wie kaum eine andere Branche waren Reiseveranstalter und Hotels schon früh sehr offen für 360-Grad und Co. Große Hotel-Ketten waren die ersten, die die neue Technologie ausprobierten. Dieser Trend hält bis heute an, doch mehr und mehr entdecken auch kleinere Hotels und Pensionen die Vorteile für sich. Ich habe mich einmal hingesetzt und einige besonders spannende Fakten und Beispiele für Sie zusammengetragen.

Virtual Reality: Eine Technik des Raumes

Facebook hat 2018 eine Studie veröffentlicht und Menschen aus elf Ländern gefragt, für was sie Virtual Reality gerne nutzen würden. Und stellen Sie sich vor: 71 % von ihnen nannten Reisen, also die virtuelle Erkundung von Reisezielen und Hotels. Diese Kategorie nahm damit Platz 1 der Interessen ein. In Deutschland waren es immerhin noch 65% aller Befragten.

Die Befragten gaben an, Hotels und Sehenswürdigkeiten gerne vorab in Virtual Reality betrachten zu wollen.
Das Reisen stand in allen Ländern auf Platz ein der möglichen Nutzungsszenarien in VR. Sogar noch vor Unterhaltung.
Quelle: Facebook

„Hm, ist das nicht eher eine nette Spielerei?“, werden Sie mich jetzt vielleicht fragen. Nein, ganz und gar nicht. Wenn Sie es richtig anstellen, können Sie Ihren Gewinn steigern. Nicht virtuell, sondern ganz real. Denn Virtual Reality, Augmented Reality und 360-Grad-Content eint im Kern eine ganz besondere Eigenschaft: Sie sind räumliche Medien.

Natürlich spielen Bild und Ton eine (nicht zu unterschätzende) Rolle bei Virtual Reality und 360-Grad. Doch die Einzigartigkeit dieser Technologie besteht darin, dass sie Dimensionen, Größen und Distanzen sichtbar und erfahrbar macht. Und geht es in der Hotelbranche nicht genau darum?

Virtuelle Touren durch Hotels schaffen Vertrauen

Wie groß ist das Zimmer? Kann man sich dort wohlfühlen? Wie sieht die Lobby aus und wie der Strand? All das sind Fragen, die sich Ihre Kunden vorab stellen werden.

Auf herkömmlichen Fotos kann ein kleiner Raum durch geschickte Aufnahmen aus einem guten Winkel viel größer erscheinen als in der Realität. Und wenn man nur eine Sonnenliege am Meer fotografiert, sehen Interessenten nicht, wie breit oder lang der Strand ist. Vielleicht ist ja eine viel befahrene Straße direkt dahinter? Und wie sieht es eigentlich mit dem Meerblick vom Hotelzimmer aus?

Nicht nur Hotels auch Kreuzfahrtunternehmen bieten 360-Grad-Rundgänge an.
Sehr deutlich wird die räumliche Dimension bei den 360-Grad-Rundgängen durch die Schiffsflotte des Kreuzfahrtunternehmens AIDA. Hotels können natürlich gleichermaßen profitieren. Quelle: aida.de

Auch für Geschäftsreisende und Firmen spielen solche Fragen eine Rolle. Eignet sich das Restaurant für ein Geschäftsessen? Ist der Konferenzraum nicht vielleicht doch zu groß oder zu klein? Auf Fotos ist dies oft schwer einzuschätzen. All das weiß der clevere Gast von heute natürlich und informiert sich deshalb vor jeder Buchung umfassend.

360-Grad-Ansichten und Google: Wie Hotels in der lokalen Suche punkten

Meistens findet die Recherche online statt. Neben Buchungsportalen und den normalen Suchmaschinen spielt hier ein Google Produkt eine besonders wichtige Rolle: Google Maps. Bereits 2015 berichtete eine von Google in Auftrag gegebene Studie, dass 44 % aller Suchen nach lokalen  Geschäften über Google Maps stattfinden. Heute dürfte diese Zahl noch um einiges höher ausfallen.

360-Grad-Bilder kann man auf Google Maps hochladen. Für lokale Geschäfte und Hotels lohnt sich dies ganz besonders.
So sehen 360-Grad-Ansichten auf Google Maps aus. Die meisten lokalen Suchen werden mobil, also mit dem Handy, ausgeführt. Hier am Beispiel des „Hotel de Rome“ in Berlin. (Screenshot)

Besonders spannend dabei: Untersucht wurden Restaurants und Hotels. Diejenigen, die bei Google Maps einen guten Auftritt hinlegten, hatten besonders hohe Zugriffszahlen auf ihren Eintrag. Wenn neben normalen Fotos auch eine virtuelle Tour verfügbar war, war das Interesse gleich doppelt so hoch.

Fast die Hälfte aller Suchanfragen in der lokalen Suche resultierten übrigens in einem Besuch der Unternehmens-Webseite. Warum nicht auch dort von Virtual Reality profitieren?

Die Webseite: Besserer Online-Auftritt, mehr Klicks, mehr Buchungen

Neben Ihrem Google Maps-Eintrag können Sie auch Ihre Webseite mit Hilfe von virtuellen Rundgängen und 360-Grad-Fotos schnell und effizient aufwerten. Große Marken wie Best Western, Shangri-La Hotels oder Marriott waren hier Vorreiter und werben bereits seit 2015 mit virtuellen Touren und 360-Grad-Videos.

Obwohl niemand außer Google im Detail weiß, wie der Such-Algorithmus im Internet funktioniert, so gibt es doch einige bewährte Anhaltspunkte für die eigene Webseite: Insbesondere mehr Interaktionen und eine längere Verweildauer auf Ihrer Seite hilft Ihrem Google-Ranking. Zu beidem tragen virtuelle Rundgänge bei. Die Verweildauer wird durch eine virtuelle Tour sogar um das Fünffache gesteigert laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK).

Ihre Firmenseite kann durch virtuelle Angebote also weiter oben in den Suchergebnissen erscheinen und wird zukünftig leichter gefunden. Ein ziemlich praktischer Nebeneffekt, finden Sie nicht auch?

Viteulle Touren können auch direkt auf der Hotel-Webseite integriert werden. Das kann die Direktbuchungen steigern.
Die Hotelkette Best Western stattet bereits seit Jahren viele ihrer Hotels mit virtuellen Touren aus und integriert diese auf den jeweiligen Webseiten. Hier am Beispiel der „Kuta Villa“ auf Bali. Quelle: www.bwkutavilla.com

Es experimentieren zudem bereits einige Reiseportale wie Expedia, TUI oder Booking mit 360-Grad-Ansichten. Allerdings haben die wenigsten von ihnen den 360-Grad-Rundgang bereits in ihre Plattformen integriert. Kommen Sie ihnen zuvor: Bieten Sie einen einzigartigen Rundumblick auf Ihrer Webseite an und locken Sie so mehr Kunden direkt zu Ihnen. Sie können ihnen auch nahe gelegene Sehenswürdigkeiten oder Naturschauplätze vorab in 360 Grad zeigen. So steigern Sie den Anteil Ihrer Direktbuchungen.

Eventplanung: Beste Vorbereitung dank Virtual Reality

Oben habe ich es schon kurz anklingen lassen: Vielleicht haben Sie ja Tagungsräume oder bieten Räumlichkeiten für Hochzeiten und andere Feste? Gerade in solchen Fällen ist Virtual Reality besonders praktisch.

Einerseits können Räume und Veranstaltungshallen bereits vorab in VR besichtigt werden. Und mehr noch: Geben Sie Eventplanern, Veranstaltern oder dem Brautpaar gleich eine ganze Hoteltour. Ihre zukünftigen Gäste müssen zur ersten Besichtigung nicht extra anreisen, was vor allem bei internationalen Großevents ziemlich langwierig sein kann.

Noch viel entscheidender ist aber die Vorbereitung der eigentlichen Veranstaltung: Die Hotelkette Lindner hat erst vor Kurzem seine Zusammenarbeit mit der Event-Plattform AllSeated bekannt gegeben, um die Eventplanung für Tagungen und Kongresse in den Lindner-Hotels einfacher und effizienter zu machen.

Bei AllSeated können mehrere Nutzer, in der Regel Eventplaner oder Caterer, im Vorfeld maßstabsgetreue 360-Grad-Bilder der Räumlichkeiten einsehen. Diese richten sie dann digital mit Hilfe der dazugehörigen Software ein: legen die Bestuhlung fest, positionieren Möbeln, verschiedene Tische und wählen sogar Tischdekorationen in unterschiedlichen Farben aus. Die Veranstalter können ebenfalls in die digitalen Räume eintreten und begutachten, wie ihr ganz individuelles Event aussehen wird.  Das ermöglicht ihnen übrigens auch, rechtzeitig ihr Veto einlegen – bevor falsche Tischdecken oder unpassende Dekoartikel gekauft werden. Gute Planung kann also bares Geld sparen.

Als zugrundeliegende Technik nutzt Lindner die Matterport-Kameras und -Software. Matterport biete ich meinen Kunden auch sehr gerne an; hier habe ich geschrieben, warum.

Auch Accenture steigt jetzt in die Eventplanung ein. Zusammen mit der IHG, der Intercontinental Hotels Group, entwickelten sie die App „XR Event Planner“, die ähnliche Vorteile wie AllSeated bietet.

Training: Mitarbeiter Ihres Hotels in Virtual Reality schulen

Virtual Reality muss aber gar nicht immer auf der Kundenebene stattfinden. Best Western setzt Virtual Reality schon seit 2016 ein, um das Servicepersonal im Kundenkontakt zu schulen. In virtuellen Umgebungen trifft ein Mitarbeiter beispielsweise auf einen unzufriedenen Gast (einen digitalen Avatar) und muss in dieser lebensechten Situation freundlich und kundenorientiert reagieren.

Mitarbeiter des Frühstückbuffets, des Housekeepings und der Rezeption durchlaufen mehrere Sitzungen, die bis zu 60 Minuten dauern. So konnte das Unternehmen erreichen, dass Beschwerden von Gästen um ganze 71 Prozent abnahmen. Gleichzeitig stieg die Kundenzufriedenheit, während die Einarbeitung neuer Mitarbeiter weniger Zeit in Anspruch nahm.

Auch Hilton setzt auf Virtual Reality für Trainingszwecke. In einer eigens entwickelten VR-Lernumgebung soll das Personal eine ganz besonders wichtige Eigenschaft lernen: Empathie. Dafür üben die Mitarbeiter in der virtuellen Welt nicht nur den täglichen Kundenkontakt, sondern schlüpfen auch selbst mal in die Rolle eines Kunden, der auf ein Problem trifft.

Unterhaltung: Hotels mit Virtual Reality-Räumen

Jetzt halten Sie sich fest, denn nach all diesen Zahlen und Fakten möchte ich noch etwas ganz Verrücktes mit Ihnen teilen: Einige Hotels bieten Virtual Reality an, wenn die Gäste bereits da sind.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Das Familienhotel Dachsteinkönig in Österreich hat als eines der ersten Hotels in Europa einen eigenen Virtual Reality-Raum eingerichtet. Dort können die Erwachsenen, wenn sie denn einmal ohne Kinder ihre „Elternzeit“ genießen wollen, hochwertige VR-Brillen ausprobieren und VR-Games spielen.

Der Videospiele-Pionier Atari will noch einen Schritt weiter gehen. 2020 plant das Unternehmen den Schritt in die Hotelbranche: Mit den „Atari Hotels“ soll eine Hotel-Marke entstehen, die in Form von Videospiel-Konsolen und immersiver Virtual Reality-Technik alles bietet, was das Gamer-Herz erfreut.

So lange wollen Sie nicht warten? Dann holen Sie Ihre VR-Brille heraus, wenn Sie eine besitzen, und probieren „Hotel R’n’R“ aus. In dem VR-Spiel sind Sie ein waschechter Rockstar, der ein Hotelzimmer nach dem anderen zerlegen muss. Rock’n Roll eben. Virtual Tours übernimmt keinerlei Garantien für Ihre echte Inneneinrichtung!

Sie sind interessiert an einem virtuellen Rundgang für Ihr Unternehmen?

Autor

Geschäftsführer von Virtual Tours und Marketingexperte für immersive Medien. Seit 2012 unterstütze ich Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Und noch immer bin ich begeistert wie am ersten Tag von all den Möglichkeiten, die 360°, Virtual Reality und Augmented Reality bieten.

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