Die derzeitige Krise lässt ganze Branchen zittern, doch sie bietet auch Raum zum Experimentieren. Selbst Messen sind nun vom Digitalisierungs-Fieber gepackt. Was aber bringen virtuelle Messen und welche Varianten gibt es?

Messen in Corona-Zeiten

Besuche von Messen und Konferenzen gehören zu meiner Arbeit. Ich genieße diese wenigen Tage im Jahr: Man trifft alte Bekannte, kann sich mit Kunden verabreden und darf neue Produkte direkt am Stand demonstrieren oder ausprobieren. Eine Messe lebt für mich vom persönlichen Austausch, vom Augenkontakt beim Kundengespräch, von zufälligen Begegnungen, dem gemeinsamen Bier an der Bar und dem Lächeln nach einem guten Vortrag. Doch all das scheint derzeit sehr weit weg.

Durch die weltweite Pandemie wurden bereits tausende Messen abgesagt oder verschoben, allein in Deutschland über 500 nach aktuellem Stand des Portals Expodatabase. Es ist eine finanzielle Katastrophe für Veranstalter wie Aussteller. Doch mehr und mehr sieht man digitale Lösungen, die die realen Events ablösen.

Es mutet dabei schon etwas komisch an, dass ausgerechnet Messen – Hotspots der persönlichen Begegnung – digital stattfinden sollen. Allerdings fangen Messeveranstalter nicht erst jetzt mit der Digitalisierung an. Messestände wurden in den letzten Jahren zunehmend mit digitalen Technologien aufgewertet, von LED-Panels bis hin zu VR-Brillen. Auch das ganze Drumherum wie Planung, Ticketverkäufe und statistische Auswertung der Besucherströme hat man bereits vor Corona durch digitale Lösungen unterstützt. Und nun? Gehen wir einen Schritt weiter.

Virtuelle Messen in verschiedenen Varianten: Von Live-3D bis Youtube-Video

Kann eine Messe gar nicht stattfinden, so stellt eine digitale Version eine gute Alternative dar. Sie bietet sogar einige Vorteile: keine Kosten für Anreise und Unterkunft, keine aufwendig gebauten Messestände, die nach wenigen Tagen wieder abgerissen werden, und eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familienzeit.

Ganz vorne dabei sind Messen mit Digitalthemen. Das überrascht wenig, denn hier sind Publikum wie Aussteller bereits mit technischen Lösungen vertraut. Doch mehr und mehr finden auch andere Branchen in die digitalen Welten. Da virtuelle Messen noch in den Kinderschuhen stecken, gibt es viele unterschiedliche Versuche und Ideen.

Ich habe sie einmal zusammengefasst und erkläre, wofür sich welches Format meiner Meinung nach besonders eignet.

Messen in Virtual Reality: für Netzwerker und Kommunikationsprofis

Als die Krise im März 2020 gerade erst an Fahrt aufnahm, machte HTC den Anfang. Der taiwanesische Hersteller von VR-Brillen verlegte kurzerhand seine jährliche Konferenz in die virtuelle Realität und nutze dafür die Schulungs-VR-Plattform Engage. Mit Hilfe dieser Software können sich die Teilnehmer einen digitalen Avatar zulegen und ihn in Kleidungsstil, Haarfarbe und anderen Accessoires nach den eigenen Wünschen formen. Das Ergebnis wirkt verhältnismäßig realistisch. In dieser Gestalt kann man sich dann virtuell durch die Räume bewegen und Gespräche führen. Quasi von Auge zu Auge, also von Avatar zu Avatar.

Doch mehrere Stunden unter einer VR-Brille zu verschwinden, kann wirklich anstrengend sein (das kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen). Deswegen ließ sich die Veranstaltung von HTC zusätzlich auch als Live-Stream am Bildschirm verfolgen. Einen ähnlichen Ansatz bieten weitere Social VR-Plattformen und Unternehmen, darunter die Firma Rooom aus Deutschland.

Besonders empfehlenswert finde ich solche virtuellen Zusammenkünfte, wenn man mit anderen reden und sich austauschen möchte. VR eignet sich dafür sehr gut. Denn statt ein flaches Bildschirmgesicht anzusehen, steht man einem Menschen in Lebensgröße gegenüber, kann gestikulieren und auch mal ein wenig herumfliegen oder anderen Schabernack machen.

Virtuelle Messen ohne VR: für Entdecker, Spaziergänger und Aussteller

Natürlich ist eine digitale Live-Messe nicht unbedingt auf Virtual Reality angewiesen. Personalisierte Avatare und Live-Konversationen lassen sich genauso – und bei langen Veranstaltungen auch angenehmer – am Bildschirm realisieren.

Ein wenig wirkt es dann so, als spiele man in einem Computerspiel mit: In digitaler Form läuft man durch Hallen mit Ständen, begibt sich in Meetingräume oder steuert seinen kleinen Avatar direkt ins Auditorium zur nächsten Keynote. Das alles mit wenigen Klicks: Ein VR-Headset ist dafür nicht notwendig, manche Plattformen bieten die VR-Nutzung allerdings als zusätzliche Option an. Auch am Bildschirm ist es möglich, sich per Mikrofon oder Chat mit Kollegen und Partnern auszutauschen und an Messeständen nach neuen Ideen Ausschau zu halten.

Ein französischer Veranstalter führte kürzlich seine Konferenz Laval Virtual mit Hilfe der Plattform VirBELA des gleichnamigen amerikanischen Unternehmens durch. Alles war komplett virtuell, für das Netzwerken vor und nach der Veranstaltung sorgte eine zusätzliche Handy-App. Es meldeten sich über 11000 Menschen an. Auch deutsche Firmen bieten ähnliche Konzepte an, zum Beispiel Gläss Software & Automatisation oder Ubivent mit der Marke Meetyoo.

Durch den einfachen Zugang nur über den Computer können deutlich mehr Personen teilnehmen als in reinen VR-Veranstaltungen. Besonders empfehlenswert ist diese Form der virtuellen Messe auch für Aussteller, da sie ihr Unternehmen hier direkt präsentieren können.

Digitale Messen in 2D per Video-Stream: für Wissensdurstige und Redelustige

Noch eine Spur einfacher geht es mit Hilfe von (reinen) Live-Streams. Diesen Ansatz wählte kürzlich die Berliner Konferenz re:publica und führte sämtliche Präsentationen per Video durch. Neben Youtube und Facebook konnte das Publikum auch das Videokonferenz-Programm Zoom nutzen. Dort durfte es in Echtzeit Fragen an die Redner stellen, miteinander sprechen und sogar Bierpong spielen.

Eine solche Streaming-Version ist technisch einfacher zu lösen als eine virtuelle 3D-Umgebung. Und zudem sehr praktisch: Denn die Vorträge lassen sich auch später leicht als Videos bereitstellen für alle, die nicht live dabei sein konnten.

Besonders empfehlenswert ist diese Form der Messe oder Konferenz, wenn der Hauptschwerpunkt auf Präsentationen, Panels und Wissensvermittlung liegt. Doch kann der Austausch zwischen den Teilnehmern etwas zu kurz kommen, und auch digitale Messestände lassen sich so nur schwer verwirklichen.

Das eigene Unternehmen auch virtuell präsentieren mit einem digitalen Messestand

Es bleibt also dabei: Der Austausch ist wichtig, das gilt wahrscheinlich nicht nur für mich. Nun fragen Sie sich sicher, wie Sie Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung bestmöglich auf einer virtuellen Messe präsentieren und mit den Messebesuchern in Kontakt treten können. Das geht – mit Hilfe eines digitalen Messestandes.

Ein digitaler Messestand kann einerseits in eine der ersten beiden Messe-Arten von oben integriert sein. Je nach Möglichkeiten der zugrundeliegenden Plattform lassen sich virtuell Videos, 3D-Objekte und (virtuelle) Prototypen zum Stand hinzufügen. Besonders praktisch ist dies übrigens bei großen Gerätschaften, die Sie nie in eine reale Messehalle stellen könnten.

Allerdings wird diese Möglichkeit längst nicht bei allen digitalen Messen geboten, schließlich ist das Format noch neues Terrain für uns alle. Es gibt aber auch dafür bereits eine schnelle und kostengünstige Lösung: ein digitaler Messestand mit der bewährten Matterport-Technologie.

Der digitale Messestand als perfekte Online-Ergänzung

Die einfachste Variante ist es, Ihren Messestand als 360-Grad-Rundgang zu digitalisieren. Dafür sollte er bereits aufgebaut und mit den notwendigen Informationen und Medien bestückt sein. Mit Hilfe der Matterport-Kamera und -Software fertigen wir eine hochwertige Tour an, die sich auf Ihrer eigenen Webseite oder derjenigen der Messe einbinden lässt. Auf Wunsch können wir auch noch weitere Medien wie Videos oder Infotexte integrieren. Die Online-Nutzer können sich so selbstständig durch Ihren Stand hindurchbewegen und sich über Ihre Leistungen informieren.

Messehalle mit Messeständen und Besuchern (c) Lukas Rang
Der Trubel einer echten Messe ist einzigartig. Dennoch können virtuelle Messen und digitale Erweiterungen in Form von Messeständen sinnvolle Ergänzungen sein.

Doch was tun, wenn Sie keinen realen Messestand aus dem Ärmel schütteln können, da alle aktuellen Messen abgesagt wurden? Kein Problem: Für solche Fälle können wir Ihnen die digitale Tour eines noch leeren Messestandes zur Verfügung stellen und diesen ganz individuell mit Ihren eigenen Inhalten bestücken.

Beide Varianten des digitalen Messestandes eignen sich nicht nur als kostengünstige Alternative zu abgesagten oder verschobenen Messen. Auch wenn Messen wieder regulär stattfinden dürfen, bieten sie die perfekte Ergänzung. Denn anders als einen realen Messestand müssen Sie Ihren digitalen Stand nicht nach wenigen Tagen wieder abbauen. Interessierte Messebesucher können sich vor und nach der Messe weiter bei Ihnen umschauen.

Solche und andere digitale Erweiterungen machen die Messe dann zur „Hybridmesse“. Denn sind wir mal ehrlich: Ganz ohne den persönlichen Kontakt – und das Bierchen an der Bar – verlieren Messen doch ihren Charme. Mit Hilfe von digitalen Ergänzungen lassen sich alle Vorteile aus analoger und digitaler Welt perfekt miteinander verbinden. Auch nach der Krise werden wir also noch eine Menge von Hybridmessen hören.

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Autor

Geschäftsführer von Virtual Tours und Marketingexperte für immersive Medien. Seit 2012 unterstütze ich Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Und noch immer bin ich begeistert wie am ersten Tag von all den Möglichkeiten, die 360°, Virtual Reality und Augmented Reality bieten.

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